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So etwas existiert nicht

Ich bin in einem kleinen Dorf im Nordwesten Kameruns geboren. Wir sind vier Kinder, zwei Mädchen und zwei Jungen. Meine Mutter war Baptistin, aber obwohl ich meinen Vater nie kennengelernt habe, hat er mir seinen katholischen Glauben vererbt. Der Weg, der mich dazu gebracht hat, mein Leben Gott zu weihen, war alles andere als einfach, doch gerade durch die Schwierigkeiten habe ich gelernt, Gott immer mehr zu vertrauen.

Trotz mehrerer Stunden Fußmarsch gingen meine Geschwister und ich jeden Sonntag in unsere Pfarrei, um an der Wortgottesdienstfeier teilzunehmen. Nur einmal im Monat kam der Priester, um Eucharistie zu feiern, und einmal im Jahr besuchten uns Schwestern, um Unterricht zu geben. Ich habe mich immer gefreut, wenn sie gekommen sind!

Ich weiß nicht mehr, wann ich begonnen habe daran zu denken, Ordensfrau zu werden, aber ich kann mich noch gut erinnern, dass unsere Lehrerin in der Grundschule jedes der fünfzig Kinder gefragt hat, was es nach der Schule machen wolle. Meine spontane Antwort war damals, dass ich Ordensfrau werden möchte. Der Wunsch war da, tief in mir verwurzelt, aber der Weg dorthin war noch sehr lang.

Am Ende der Grundschule bot mir eine Schwester an, meine Ausbildung fortzusetzen. Ich verließ meine Familie und zog in ein Dorf, das einige Stunden von unserem Zuhause entfernt lag. Dort wohnte ich mit drei anderen Kindern bei den Schwestern. Das Leben war hart. In den frühen Morgenstunden, noch bevor wir zur Schule gingen, haben wir im Haus und den Feldern gearbeitet. Zeit zu lernen blieb wenig. Es war weniger die körperliche Anstrengung, die mich belastete, denn harte Arbeit war ich von zu Hause gewohnt, vielmehr die Spannungen die ich zwischen den Schwestern wahrnahm und das Gefühl, selber als Person nicht respektiert zu werden.

Als meine Mutter starb, kehrte ich nach Hause zurück, doch obwohl ich dachte, dass es jetzt meine Aufgabe wäre, für meine Geschwister zu sorgen, führte mich mein Weg irgendwann wieder zu den Schwestern zurück.

Einige Jahre später boten sie mir an, bei ihnen einzutreten. Doch obwohl der Wunsch in einem Orden zu leben noch immer tief in mir verwurzelt war, spürte ich, dass ihre Art zu leben nicht das war, wonach ich mich sehnte

Wenn ich heute an diese schwierigen Jahre zurückdenke, wird mir bewusst, dass mir diese Zeit trotz aller Schwierigkeiten geholfen hat, innerlich stark zu werden, mir eine Zukunft aufzubauen, Prüfungen zu bestehen und die Person zu werden, die ich heute bin. Ich bin der Gemeinschaft nach wie vor verbunden, denn trotz allem: Hier ist gewissermaßen die Wiege meiner Berufung.

 Eine Reihe von Umständen, die ich nicht selber entschieden hatte, befand ich mich 1990 mehr als 200 km von meinem Zuhause entfernt. Ich wurde von einer Familie aus Bamenda aufgenommen: Mama Odillia nahm mich wie ihre eigene Tochter auf und ich wurde wie ein echtes Familienmitglied behandelt.

Mit der Zeit erfuhr ich mehr von ihrer Geschichte: Ihr Mann war getötet worden, als die Kinder noch klein waren. Sie war eine Frau des Gebets. Jeden Abend versammelten wir uns alle im Wohnzimmer, um gemeinsam zu beten und morgens stand sie schon sehr früh auf um den Rosenkranz zu beten und um vor der Arbeit noch zur Heiligen Messe gehen zu können. Ich war beeindruckt von dieser Frau, deren Gebete ihre Taten zu durchdringen schienen.

Im Nachbarhaus lebten einige Männer, und ich war etwas irritiert, weil mir nie Frauen begegneten. Als Mama Odilla mir sagte, dass es Ordensleute seien, war ich sehr überrascht. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass Brüder in einem so einfachen und armen Viertel leben, wie dem unsrigen.

Durch sie wurde in mir selber der Wunsch wieder lebendig, mein Leben Christus zu weihen. Aber jetzt hatte ich eine klare Vorstellung davon, wonach ich suchte: ein alltägliches Leben inmitten einfacher Menschen, mit einem schlichten Gebetsrhythmus und ohne besonderes Ansehen. Ein bisschen wie „Sauerteig im Mehl“ wollte ich sein, keine Ordenskleidung, kein besonderes Zeichen, das mich von anderen unterschied… Ich schrieb all das meiner großen Schwester, die mir antwortete: „So etwas gibt es nicht!“

In der Zwischenzeit lernte ich die Kleinen Brüder Jesu, unsere Nachbarn, näher kennen. Ich ging jeden Tag zu ihnen, um zu beten. Irgendwann habe ich zu Gott gesagt: „Wenn du existierst, dann zeig mir den Weg, denn genau das möchte ich leben!“ Einige Jahre später traf ich schließlich die Kleinen Schwestern. In ihrer Einfachheit, ihrer Art zu beten, dem Leben mit den Armen und der gelebten Gastfreundschaft erkannte ich alles wieder, was ich mir wünschte. Es gab sie also doch!

Besonders ihre Gastfreundschaft hat mich sehr berührt: Wir saßen zusammen um zu essen und teilten uns dasselbe Zimmer. Es gab keinen Unterschied zwischen ihnen und mir, das war die Erfüllung meines Traums.

Bis heute liebe ich die Schlichtheit unseres Lebens. Wenn ich das Essen zubereite, wenn ich einkaufen gehe oder wenn ich jemanden auf der Straße treffe und wir uns grüßen, dann merke ich:

Ich wünsche mir nichts anderes.

Und in diesen einfachen Gesten des Alltags steigt ein Gebet in mir auf, wie ein stiller Gesang: „Herr, ich habe dich in der Nacht gesucht, im Schein einer Fackel, und jetzt, da ich dich gefunden habe, kann mich nichts mehr von dir abbringen.“

Kleine Schwester Emma-Bolang