„Gott mit uns“ – gestern und heute

An Weihnachten feiern wir die Geburt des allmächtigen Gottes, der sich ganz klein macht, um uns in unserer Menschlichkeit zu begegnen. Man könnte sich an dieses Wunder gewöhnen und doch bleibt es so überraschend, so überwältigend, dass wir es jedes Jahr neu feiern müssen, um es nicht zu vergessen.
Hier in Tansania haben wir dieses Jahr doppelten Grund zu feiern. Unsere Youyous, die Jubelrufe der Freude, erklingen nicht nur zur Geburt des „Friedensfürsten“, sondern auch zum 50-jährigen Jubiläum unserer Präsenz in diesem Land. Wir danken dem „Gott mit uns“, der uns während all dieser Jahre treu begleitet hat.
Vor 50 Jahren kamen die Kleinen Schwestern genau am Weihnachtstag im Bistum Rulenge, nahe der Grenze zu Burundi und Ruanda, an. Der damalige Bischof war einige Monate zuvor nach Tre Fontane gereist, um Kleine Schwester Magdeleine zu bitten, in seinem Bistum eine Fraternität zu gründen. Ihr Versprechen: „Zu Weihnachten werden wir da sein“ hat sich erfüllt.
Die ersten Schwestern ließen sich im Dorf Ruganzu nieder. Sie kamen aus verschiedenen europäischen Ländern und waren auf die Hilfe der Menschen in der Nachbarschaft angewiesen, die ihnen beibrachten, wie man hier kocht, anbaut, Hirse stampft. Die Kleinen Schwestern mussten alle einfachen Handgriffe des Alltags lernen, und gaben ihrerseits ihr Wissen und Können an die Menschen weiter. Daraus entstand eine wertvolle Gegenseitigkeit: Die Schwestern eröffneten eine kleine Krankenstation, die Menschen halfen ihnen beim Bestellen der Felder.
Mit der Zeit schlossen sich uns tansanische Schwestern an, und die Gemeinschaft entwickelte sich weiter. Heute sind wir rund ein Dutzend Kleine Schwestern und leben in drei Gemeinschaften.
Unser Gemüsegarten von Nyakato in Mwanza ist reich gefüllt: Bananen, Papayas, Orangen, Maniok, Mais, Bohnen, Grünkohl, Spinat, Mchicha und vieles mehr. Hinter dieser Fülle steckt viel Arbeit: Den Boden vorbereiten, pflanzen, gießen und ernten. Hinter dieser Fülle steckt aber auch die große Freude, zu sehen, wie alles wächst und gedeiht. Wir bauen hauptsächlich für den eigenen Bedarf an, doch manchmal kommen auch Nachbarinnen und Nachbarn, um etwas zu kaufen. Sie kaufen gerne bei uns, weil sie wissen, dass wir unser Gemüse ohne Pestizide anbauen, was gut für die Gesundheit ist.
Dieser Gemüsegarten ist auch ein Bild für den symbolischen Garten, den diese Gemeinschaft für uns darstellt. Viele von uns haben hier Wurzeln geschlagen und sind innerlich gewachsen, indem sie unsere Spiritualität und das Leben der Kleinen Schwestern kennengelernt und vertieft haben.
Wir leben ein sehr einfaches Leben, geprägt vom Rhythmus der Natur und des Gebetes, umgeben von Nachbarinnen und Nachbarn, die zu echten Freunden geworden sind. Viele Kinder beleben unseren Alltag mit ihrer Freude und Lebensenergie.
Es waren die Kinder, die uns vor über zwanzig Jahren dazu motiviert haben ein paar Kühe zu halten. Wir beobachteten, dass viele Mütter nicht genug Milch für ihre Babys hatten und wollten ihnen helfen. So begannen wir mit unserer eigenen kleine Milchproduktion. Mit Hilfe eines jungen Mannes, der sich um die Kühe kümmert, verkaufen wir nun täglich frische Milch. Ähnlich wie das Gemüse ist auch diese Milch sehr geschätzt, weil die Menschen wissen, dass wir sie nicht verdünnen, um mehr Gewinn zu machen.
Nicht selten rufen uns die Leute auf der Straße zu: „Das ist euer Kind, denn es ist mit eurer Milch groß geworden!“ Die Kinder sind inzwischen groß, doch dieser Satz erinnert uns sofort an die Zeit, in der sie klein und abhängig waren, wie das Jesuskind, das in der Weihnachtsnacht aus Maria, der Jungfrau, geboren wurde.
Ja, am 25. Dezember kommt uns Gott ganz nahe. So nahe, dass er sich berühren, in die Arme nehmen und wie ein Kind wiegen lässt. In unserem einfachen, alltäglichen Leben empfangen wir heute wie vor 50 Jahren den Emmanuel „Gott mit uns“.
Wir wünschen auch euch, dass ihr ihn wiederentdeckt, diesen Gott, der so groß und gleichzeitig so klein ist, und der in unser Leben und in unseren gewöhnlichen Alltag kommt, um ihn außergewöhnlich zu machen.
Frohe Weihnachten!
Kleine Schwester Agnès-Mkasafari und die Kleinen Schwestern in Tansania

