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Von den Vögeln des Himmels und den Fischen im Meer

Das ökumenische Gebet für die Schöpfung im September möchten wir zum Anlass nehmen, das Zeugnis einer Kleinen Schwester mit euch zu teilen, die von einer ganz besonderen Erfahrung als Freiwillige berichtet. Diese Arbeit, die sich stark von allem unterscheidet, was sie bisher getan hat, ist eine Hymne an die Schöpfung.

Als ich hier in Baltimore anfing, nach einer Möglichkeit für ein ehrenamtliches Engagement zu suchen, war mein erster Gedanke, mich dem National Aquarium anzuschließen, das etwa eine halbe Stunde zu Fuß von meiner Wohnung entfernt liegt. Ich habe Aquarien schon immer geliebt. Bis zu meinem Eintritt in die Gemeinschaft hatte ich sogar ein kleines zu Hause.

Die Enzyklika „Laudato Si’“ von Papst Franziskus hat mich persönlich sehr angesprochen und es hat mich betrübt, festzustellen, dass ihr innerhalb der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten so wenig Beachtung geschenkt wurde. Es scheint, als sei ihre Botschaft außerhalb der Kirche mehr gewürdigt worden als in ihr.

„Gott, dein Name ist wunderbar auf der ganzen Erde. Himmel und Erde sind Zeichen deiner Größe.“ (frei nach Psalm 8)

Das National Aquarium misst dem Naturschutz, dem Artenschutz sowie der Renaturierung des Hafens von Baltimore und der Chesapeake-Bucht große Bedeutung zu. Es bemüht sich aktiv darum, die BesucherInnen – vor allem die Jüngsten – für Umweltfragen zu sensibilisieren. Das alles spricht mich sehr an und so habe ich mich auf Anregung einer Nachbarin als Freiwillige beworben. Kurz darauf erhielt ich einen Anruf und wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen.

Das Aquarium ist um einen zentralen Bereich herum angelegt, in dem verschiedene Arten von Ausstellungen zu sehen sind. Eine davon zeigt die Landschaften von Maryland (dem Bundesstaat, in dem Baltimore liegt), von den Quellen der Bäche in den Bergen im Westen bis hin zu den Tiefen des Ozeans jenseits des Kontinentalschelfs. Ein weiterer Bereich stellt ein großes Korallenriff dar. Und in der Mitte ermöglicht ein riesiges rundes Becken den Abstieg über mehrere Etagen, während man von den großen Tieren aus den Tiefen der Meere umgeben ist.

Das Gebäude verfügt außerdem über zwei Flügel, die auf der einen Seite einen Teil des Amazonas-Regenwaldes und auf der anderen Seite eine alte Flussschlucht im Norden Australiens nachbilden: zwei einzigartige Ökosysteme, die beide empfindlich und sehr unterschiedlich sind.

Ich habe das Aufnahmegespräch bestanden und mir wurde an einem Vormittag pro Woche die Reinigung der Felsvorsprünge in der Flussschlucht anvertraut. Dann putze ich noch die Scheiben der Fisch- und Schildkrötenbecken und bin für die Zubereitung von Gemüse und Obst für die Fütterung der Vögel verantwortlich. Am liebsten mag ich an dieser Arbeit, wenn ich den Wasserschlauch von der höchsten Felskante aus halte, um einen kurzen Regenschauer zu erzeugen, unter dem die Vögel duschen können. Es ist magisch, sie so direkt nur wenige Meter vor mir zu sehen.

Um bei der täglichen Vogelzählung mitzuhelfen verstecke ich mich etwas später wieder auf diesem Felsvorsprung zwischen den Blättern. Von hier kann ich auch beobachten, wie den Besuchern – sehr oft sind es große Schülergruppen – die verschiedenen Tiere erklärt werden. Neben den Vögeln gibt es Schlangen, Eidechsen, Schildkröten, Krokodile und natürlich Fische.

„Die ganze Schöpfung hast du dem Menschen anvertraut, alles hast du ihm in die Hände gelegt. Die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.“ (frei nach Psalm 8)

Besonderes Augenmerk wird auf die Lebensräume der Tiere gelegt, sowie auf die Tatsache, dass fast alle von ihnen inzwischen bedroht sind. Das Ausmaß des menschlichen Einflusses ist überall sichtbar. „Je größer die Macht, desto größer die Verantwortung“, sagt bei uns eine Redensart.

Die Ausstellung und die Führungen versuchen oft auf unterhaltsame Weise, die Liebe zu den Lebewesen und den Wunsch, ihre Lebensräume zu erhalten, zu wecken. Im Gegensatz zu den Nationalmuseen in Washington ist das Aquarium nicht auf die Finanzierung durch die Bundesregierung angewiesen und kann somit frei über wissenschaftliche Erkenntnisse und die Rolle des Klimawandels sprechen.

Mit Ausnahme des Gärtners, der sich um die Pflanzen kümmert, sind alle TierpflegerInnen und sonstigen Ehrenamtlichen in der Abteilung „Australien“ wesentlich jünger als ich. Das ist mir eine große Freude und ein guter Ausgleich zu meinem Alltag in einem altersgerecht eingerichteten Wohnblock. Dazu kommt, dass ich unser Team nicht unbedingt als sehr konventionell erlebe. Meine KollegInnen sind durchweg sehr interessante Menschen, die sowohl leidenschaftlich als auch sehr bodenständig sind.

Schließlich ist diese Arbeit völlig anders als alles, was ich bisher getan habe. Was bleibt ist die Sehnsucht und die Bitte, dass Gott in mir präsent ist und die anderen durch mich berührt. Und ich hoffe, dass alle Menschen, die hier vorbeikommen, die Gegenwart Gottes in dieser großen Vielfalt und Schönheit der Natur entdecken können, die sie sonst wahrscheinlich nie erlebt hätten.

„Gott, dein Name ist wunderbar auf der ganzen Erde. Was ist der Mensch, dass du dich an ihn erinnerst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?“ (frei nach Psalm 8)

Kleine Schwester Anne-Beth