KS Magdeleine von Jesus: Liebe über Grenzen hinweg

…Ich kam aus Lateinamerika, zusammen mit einer anderen Kleinen Schwester aus Brasilien. Da die Kleinen Schwestern dort unter den Tapirapé (einer Gruppe brasilianischer Indianer) lebten, hatte sie einen Speer der Tapirapé als Geschenk mitgebracht.
Als wir nach einer langen Reise ankamen, wollten die Kleinen Schwestern, dass wir sofort Schwester Magdeleine begrüßten. Sie arbeitete damals mit ihrem Rat und Pater Voillaume (Gründer der kleinen Brüder) zusammen. Für mich war das ein sehr bewegender Moment, denn ich kam von weit her und lernte auf einen Schlag die „ganze“ Fraternität kennen, die Kleinen Schwestern aus allen Kontinenten, die zu diesem Zeitpunkt für die Fraternität verantwortlich waren.
Einige Jahre später wurde ich meinerseits zur Generalrätin ernannt. In dieser Zeit lernte ich KS Magdeleine besser kennen. Wenn sie in Tre Fontane war und wir nicht auf Reisen waren, sahen wir uns jeden Tag. Sie aß mit uns. Das waren wertvolle Momente der Begegnung. Sie war sehr zugänglich. Sie teilte mit uns die Briefe, die aus allen Ecken der Welt kamen, die Anfragen und Überlegungen der Kleinen Schwestern. Wir überlegten gemeinsam, wie wir antworten sollten. Es herrschte eine gute Atmosphäre, wir teilten miteinander in Einfachheit unsere Meinungen und Fragen.
Viele Gesten und Worte von KS Magdeleine haben mein Leben geprägt. Jedes Mal, wenn ich ein Problem hatte, fand ich in ihr „eine Mutter“. Noch heute denke ich an einige Dinge, die sie uns gesagt hat, und an ihre Sicht des Lebens. Sie war sehr anspruchsvoll und sehr offen, aber sie hatte auch eine große Zärtlichkeit. Denn was auch immer geschah, was auch immer wir taten, wir konnten zu ihr zurückkommen, und nie hielt sie sich mit dem auf, was wir getan hatten: Es war wie schon vergessen.
Ich war auch von ihrer Einfachheit, ihrer Güte, ihrer so großen Aufmerksamkeit und Liebe für die Ärmsten der Armen berührt. Das zeigte sich in der Art und Weise, wie sie jeden willkommen hieß. Während des Baus eines Teils von Tre Fontane hatten wir Arbeiter, die mit uns arbeiteten. Sie war sehr aufmerksam gegenüber allen und ihren Familien. Wenn sie in Rom unterwegs war, besuchte sie gern diese verschiedenen Familien. Sie ging nie auswärts essen, nur zu ihnen nach Hause ging sie mit großer Freude. Sie bereitete sorgfältig die kleinen Geschenke vor, die sie den Kindern mitbringen wollte.
Es war dieses kontemplative Leben mitten unter den Ärmsten, das auch mich zu den Kleinen Schwestern zog und das ich in all den Jahren so gut wie möglich zu leben versuchte. Über 30 Jahre lang teilte ich den Alltag der Menschen in La Victoria, einem Stadtteil am Rande von Santiago. All diese Familien, die täglich darum kämpfen, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, ihre Kinder großzuziehen und nach vorne zu schauen, haben mein Leben und mein Gebet geprägt. Noch heute ist es derselbe Wunsch, der mein Leben leitet, jetzt, da ich den Alltag mit älteren Menschen in einem Pflegeheim teile.
Der Wunsch, der in KS Magdeleine brannte und der in all ihren Botschaften, Briefen und Handlungen zum Ausdruck kam, war der Wunsch nach Liebe: Liebe unter allen, Liebe über Grenzen hinweg, Liebe zwischen den Völkern, Liebe unter uns … Sie wiederholte das ständig und überall, wie ein Refrain, der ihren Lebensrhythmus bestimmte und den sie zutiefst lebte. Sie zu kennen und mit ihr zu leben, war für mich eine Lektion in Liebe und Zärtlichkeit.
Kleine Schwester Maria-Elena

