Kopf: Die kleinen Schwestern Jesu
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Begegnung mit Papst Franziskus

Ein Bericht von Kleiner Schwester Geneviève-Josèphe:
Im Jahr 2005 reiste ich zusammen mit meinem Bruder Michel und meiner Kusine Noëlle nach Argentinien, um meine Tante Léonie Duquet zu beerdigen. Léonie ist eine von zwei französischen Ordensschwestern, die während der Militärdiktatur (1976-1983) entführt, gefoltert und bei einem der sogenannten Todesflüge lebend aus einem Flugzeug ins offene Meer geworfen worden waren. Einige Leichen wurden an Land gespült und konnten so anonym beerdigt werden.

Unter der Kirchner-Regierung begann in Argentinien ein Prozess der Aufarbeitung und Wahrheit. Mehrere der Toten wurden exhumiert und über DNA-Abgleiche mit noch lebenden Familienmitgliedern identifiziert. So auch meine Tante Léonie, zu deren „nachträglichen“ Begräbnis wir unterwegs waren.
Erschüttert kehrte ich von dieser Reise zurück. Bis dahin hatte ich noch nicht das Drama ermessen können, das Argentinien durchlebt hatte: 30.000 Verschwundene, eine ganze Jugend. Ich schrieb an Kardinal Bergolio, den damaligen Erzbischof von Buenos Aires, der zur Bischofssynode nach Rom gekommen war. Wie groß war meine Überraschung, als er mich daraufhin noch am selben Abend anrief. Seine Demut beeindruckte mich tief.

Seit dieser Reise nehme ich in Rom an einer Menschenrechtsgruppe der argentinischen Botschaft teil. Zweimal kehrte ich nach Buenos Aires zurück, um bei dem Prozess gegen die Militärs der ESMA anwesend zu sein. Dort spürte ich das unsagbare Leid und den Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit. Mütter und Großmütter suchen noch immer nach ihren Kindern und Enkeln. Während der Haft geborene Kinder wurden von Familien der Militärs oder deren Freunden adoptiert. Ihre Mütter brachte man nach der Geburt um. Das Leid aller Betroffenen ist unbeschreiblich. Auch die Wunden in der Kirche sind tief. Ein Teil des Episkopats reichte den diktatorischen Machthabern die Hand.

Als ich am 13. März 2013 auf dem Petersplatz stand und hörte, wie der Name des neuen Papstes verkündet wurde, kamen mir all diese Erinnerungen wieder in den Sinn. Papst Franziskus nahm mich sofort mit seiner Einfachheit für sich ein. Am tiefsten aber rührte es mich, als ich ihn sagen hörte: „Ich möchte eine arme Kirche und eine Kirche für die Armen.“ Léonie und so viele andere hatten dafür ihr Leben gegeben.
Dank einer befreundeten Familie wurden wir im April 2013 zu einer vom Papst zelebrierten Messe in das Gästehaus Santa Marta eingeladen. Nach der Feier begrüßte der Papst einen jeden. Natürlich habe ich ihm von Léonie erzählt.

Zur selben Zeit kam Estela Carlotto nach Rom, die Vorsitzende der „Abuelas de Plaza de Mayo“ . Mit ihr reiste Buscarita, eine der Großmütter, sowie Juan Cabandié, ein „wiedergefundener Sohn“.
Das argentinische Konsulat hatte für sie und mich Karten für die Papstaudienz am 24. April beantragt, bei der es möglich war, den Papst persönlich zu begrüßen. Am Ende der Audienz kam er sofort zu uns, und es kam zu einer wunderbaren Begegnung mit der ganzen Gruppe. Der Papst versprach, Buscarita bei ihrer Suche zu unterstützen. Liebevoll umarmte er uns alle.
Dieses Treffen war sehr wichtig. Es war ein Zeichen der Hoffnung für die Familien der Verschwundenen. Die Zuwendung und Liebe des Papstes waren wie Balsam auf unseren Seelen. Wir waren berührt und glücklich.
Ja, heute, 50 Jahre nach dem Konzil, leben wir in der Kirche einen guten Moment. Es ist so sehr an uns, zu beten und das Evangelium jeden Tag neu mit unserem Leben zu verkünden.

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