Kopf: Die kleinen Schwestern Jesu
Landkarte: Deutschland, Österreich, Schweiz

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Gemeinschaft München

Viele kleine große Schritte

In letzter Zeit stehe ich oft vor der großen Weltkarte, die in unserem Wohnzimmer hängt, und werde nicht fertig mit dem Schauen. Ich versuche, mir die vielen Länder einzuprägen, über die ich bald fliegen werde: 10.177,25 km Luftlinie von München nach Manila! Das übersteigt mein Vorstellungsvermögen bei Weitem. Und wie es wohl ist, dort zu leben? Ein paar Informationen habe ich natürlich schon gesammelt: Die Philippinen sind das einzige katholische Land Asiens, der Inselstaat ist dicht bevölkert; es ist heiß und schwül, das ganze Jahr über; zum Essen gibt es vor allem Reis, Fisch und Früchte...
Wirklich vorstellen kann ich es mir trotzdem nicht, wie es dann sein wird, ab Oktober plötzlich mitten in Manila zu leben. Alles wird so anders sein, als ich es kenne! Mit drei anderen Frauen aus Japan, Südkorea und England werde ich gemeinsam im Dezember das Noviziat beginnen, das ist die nächste Etappe in unserem Leben als Kleine Schwestern. Die Reise dorthin ist für mich ein Schritt ins Ungewisse hinein...

Vor fast zwei Jahren bin ich in die Gemeinschaft der Kleinen Schwestern Jesu eingetreten. Der Umzug von meiner Heimatstadt Graz nach München damals: 313,26 km Luftlinie. Die gleiche Sprache (naja, fast), ähnliches Klima, recht flach ist es hier zwar, aber die Berge sind in Greifweite... von den „äußeren Umständen“ her war dieser Schritt also weit weniger aufregend als der bevorstehende.
Dennoch kostete er mich viel Mut und war eine Herausforderung! Das Ankommen und Eingewöhnen im Leben als Gemeinschaft hat seine Zeit gebraucht, so sehr ich mich auf das Teilen des Alltags und das gemeinsame Beten gefreut hatte. In einem Brief habe ich meinen Freundinnen und Freunden zuhause in Österreich davon erzählt: „Manchmal wundere ich mich drüber, wie müde ich bin, obwohl ich ja noch gar nicht auswärts arbeite. Eine meiner Mitschwestern hat mir dann liebevoll erklärt, dass das ganz natürlich ist, weil es in dieser Zeit des 'Neuen' meine ganze Energie kostet, einfach nur 'zu sein'! Weil es mühevoll ist, sich in einen neuen Haushalt einzuleben, so viele Kleinigkeiten sind zu 'lernen' … Weil ich es nicht gewohnt bin, dass das Telefon manchmal alle fünf Minuten läutet, worauf dann oft ein schneller Botengang für eine Nachbarin folgt, die dringend Milch oder etwas anderes braucht... oder die einfach nur anruft, um jemanden zum Reden zu haben, während ich mit der Hand, die grad frei ist, weiter das Essen umrühre, das sonst anbrennen würde.“
Ja, da war viel Neues in der ersten Zeit! Und dann die Arbeitssuche: Wie bang war mir vor dem Eintauchen in die mir fremde Arbeitswelt der Spülküche einer Großkantine! Doch wie schnell sind die Ängste verflogen – vom ersten Tag an war ich herzlich angenommen von den Kolleginnen und Kollegen, mein Körper hat sich rasch an die ungewohnte Tätigkeit, an den Lärm und den Stress gewöhnt, und ich habe mich in der Müdigkeit eingefunden, die diese Art des Arbeitens mit sich bringt und die ganz anders ist als die Müdigkeit nach einem Tag im Büro.

Jetzt, in meiner letzten Woche in München, bin ich mitten drin im Abschiednehmen von so vielen Menschen am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft, die mir ans Herz gewachsen sind... Und ich blicke voll Dankbarkeit zurück auf alles, was ich hier am Hasenbergl leben durfte mit meinen Mitschwestern Monika Barbara, Eva-Maria und Brigitta Maria. Ja, der Schritt ins Unbekannte vor zwei Jahren, der hat sich gelohnt! Er war für mich ein Schritt hinein ins Leben in Fülle.
Diese Erfahrung hilft mir nun dabei, den nächsten Schritt zu tun und aufzubrechen ins Abenteuer Philippinen. Auch dort warten ja konkrete Menschen auf mich: Meine Mitnovizinnen und die Kleine Schwester, die uns durch das Jahr begleiten wird; die neuen Nachbarinnen und Nachbarn und alle, die ich in meiner Zeit in Manila kennenlernen werde...
Und so bin ich unter all der Aufregung vor allem voll Freude und Zuversicht – und sogar dazu bereit, mich auf ein Jahr Reis und Fisch einzulassen!







Hallo, das sind wir, vier Kleine Schwestern, die in München leben:
Eva-Maria, Katharina, Monika Barbara und Waltraud Irene.

Wir sind nicht gerade ein Beispiel für Internationalität. Monika kommt aus München, die anderen drei aus Österreich. Aber dafür ist rund um uns herum die Welt bunt und gemischt.
Wir sind in einem Viertel am nördlichen Stadtrand und haben beides ganz zur Verfügung, die Stadt und den Rand. Und wir lieben die Begegnungen mit Menschen aus der ganzen Welt, die hier in München wohnen.

Ganz einfach ist unser Leben hier. Wir sind Teil des Lebens von vielen um uns herum, und für einige ist unsere Wohnung eine Oase in Einsamkeit und Langeweile, oder in Lärm und Geschrei.
Da ist unsere kleine Kapelle, die für uns Oase ist und die alle empfängt, die kommen möchten, oder die wir im Gebet „hineintragen“.
Da ist unsere Arbeit - das Putzen und die Wäscherei, und jetzt gerade die Suche nach Arbeit als Küchenhilfe. Da sind unsere Kolleginnen und Kollegen - die Menschen, bei denen wir putzen, die Chefs.
Ob sie ahnen, dass sie mitten in unserem Gebet wohnen?

Meistens ist irgendeine von uns da, um die Tür zu öffnen, wenn jemand klingelt.
„Willkommen!“

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